
Valeria Zumstein
Valeria Zumstein zeigt im KunstTank in Simplon Dorf eine Arbeit, die gut zum Ort passt. Der ehemalige Tankstellenbau aus den 1950er-Jahren wird immer wieder mit Kunst belebt und bietet einen besonderen Raum für neue Ideen.
Valeria verwendet alte Architekturpläne und macht daraus feine Objekte für den Raum. Besonders schön sind die leuchtenden Blumenformen. Am Abend, zwischen 17 und 23 Uhr, schaffen sie eine ruhige und besondere Stimmung.
Auch die Kabine des Tanks wird Teil der Arbeit: Valeria bemalt sie mit sommerlichen Blumenmotiven.
So entsteht ein Zusammenspiel von alter Architektur, Licht, Farbe und Erinnerung. Die Arbeit zeigt, wie bestehende Orte weiterleben und neu wahrgenommen werden können.

Architektur als Transformation, Erinnerung als Material
Im Spannungsfeld von Architektur, Denkmalpflege und künstlerischer Intervention entwickelt Valeria Zumstein eine Praxis, die bestehende Strukturen nicht als statische Zeugnisse der Vergangenheit versteht, sondern als offene Träger von Bedeutung und möglicher Zukunft. Als Architektin und Präsidentin des Oberwalliser Heimatschutzes sowie mit einem Masterabschluss in Denkmalpflege verbindet sie planerisches Denken mit einem geschärften Bewusstsein für den kulturellen und historischen Wert gebauter Umwelt. Im Zentrum steht dabei stets die Frage, wie Bestand erhalten, interpretiert und zugleich weitergeschrieben werden kann – im Sinne einer nachhaltigen und
kontextbezogenen Raumentwicklung.
Das Projekt im KunstTank in Simplon Dorf bildet hierfür ein prägnantes Beispiel. Der KunstTank – ein Tankstellenbau aus den 1950er-Jahren – ist selbst ein Relikt der Nachkriegsmoderne, ein Ort funktionaler Infrastruktur, der heute als ungewöhnlicher, intimer Ausstellungsraum neu gelesen wird. Zumstein reagiert auf diese spezifische Architektur nicht mit Distanz, sondern mit einer subtilen
Weiterführung ihrer Logik: Die vorhandene Struktur wird zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Transformation, die Geschichte, Funktion und Imagination miteinander verschränkt.
Im Inneren entstehen aus alten Architekturplänen objekthafte Arbeiten, die die Sprache des Entwurfs in räumliche Körper übersetzen. Linien, Raster und Konstruktionen lösen sich aus ihrer technischen Funktion und werden zu fragilen, fast poetischen Skulpturen. Besonders eindrücklich sind die leuchtenden Objekte in Blumenform, die den Raum in ein atmosphärisches Gefüge aus Licht und Farbe verwandeln. Sie aktivieren den KunstTank als abendlichen Ort: Zwischen 17 und 23 Uhr entfaltet sich eine stille, konzentrierte Lichtszenerie, die den Charakter des Ortes in eine überraschend intime Erfahrung überführt.
Ergänzt wird die Installation durch eine malerische Intervention an der Kabine des Tanks, die Zumsteins sommerlich gestaltet und mit floralen Motiven versieht. Diese Geste erweitert den Raum nach außen und setzt einen bewussten Kontrast zur ursprünglichen Funktion des Tankhäuschens. Architektur wird hier nicht überdeckt, sondern kommentiert und weitergeführt – als lebendiger Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Zumsteins Arbeit ist dabei eng mit ihrem Verständnis von Nachhaltigkeit verbunden. Diese ist nicht bloß ökologische Haltung, sondern ein umfassender ethischer Ansatz im Umgang mit Bestand, Material und Kontext. Bestehende Strukturen werden als Ressource verstanden, deren Weiterentwicklung eine Form von kultureller Verantwortung darstellt. In diesem Sinne verbindet sich in ihrer Praxis die Logik der Denkmalpflege mit einer zeitgenössischen künstlerischen Offenheit.
Der KunstTank selbst – als Ort aus den 1950er-Jahren und zugleich als heutiger Experimentierraum – wird so zum idealen Resonanzkörper dieser Arbeitsweise. In der Begegnung von Architekturfragment, Lichtobjekt und malerischer Intervention entsteht eine situative Arbeit, die weniger Objekt als Erfahrung ist: ein feines Gleichgewicht zwischen Erinnerung, Transformation und gegenwärtiger Wahrnehmung
